Forschung der Universität Wien
Forschungsbericht zum Thema:
Attraktivität bei pubertierenden Makakenweibchen (Macaca fuscata) am Affenberg Landskron
Verfasser: Dr. Bernard Wallner
Von 1998 bis 2000 wurden am Affenberg Landskron (Kärnten, Österreich) zwei Projekte durchgeführt, die im Rahmen des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (Projektnummer: P13208) und des Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank (Projektnummer: 7125) gefördert wurden.
Projektleiter: Mag. Dr. Bernard Wallner
Leiter der Forschungsevaluation
Universität Wien
Liechtensteinstrasse 22
1090 Wien
email: bernard.wallner@univie.ac.at
Prof. Dr. John Dittami
Institut für Zoologie
Leiter der Abteilung Ethologie
Althanstrasse 14
1090 Wien
email: john.dittami@univie.ac.at
Kooperationspartner: Prof. Dr. Erich Möstl
Institut für Biochemie
Universität für Veterinärmedizin
Veterinärplatz 1,
1210 Wien
Inhalt:
I Präambel 2
II Kurzdarstellung des Inhalts der Projekte 2
III Kurzdarstellung der Ergebnisse 3
IV Infrastruktur am Affenberg Landskron 3
V Zukünftige Forschungsthemen 4
I Präambel
Kooperation zwischen Parkbetreibern und Wissenschaftern
Den Wissenschaftern der Universität Wien wurde eine kreative Offenheit seitens der Betreiber geboten, die nicht als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt werden konnte. Aufgrund dieses Umstands konnten die Forschungsprogramme optimal und zeitgerecht durchgezogen werden. Die Forscher möchten hier mit Nachdruck erwähnen, dass durch dieses wissenschafts- freundliche Klima der Grundstock für grundlegende Erkenntnisse hinsichtlich funktionaler Aspekte der weiblichen Pubertät bei nichthumanen Primaten erforscht werden konnten.
II Kurzdarstellung des Inhalts der Projekte:
In 11 Primaten Spezies zeigen adoleszente Weibchen während der periovulatorischen Phase höchst dramatische, morphologische Änderungen ihrer sekundären Geschlechtsmerkmale. Bei einigen Arten, wie Japanmakaken, sind die Ausprägungen dieser Merkmale während der Reifungsphase = Pubertät markanter als bei adulten Tieren. Grundsätzlich dient die übertriebene Ausbildung optischer Signale dazu, weibliche Rezeptivität und Fruchtbarkeit gegenüber den Männchen zu signalisieren. Viele adulte, nichthumane Primaten bauen während fertiler Zyklusphasen Anogenitalschwellungen auf; das sind Anschwellungen im Bereich der Perineumshaut und der äußeren Genitalien. Adulte Tiere, die zum Zeitpunkt der Ovulation ihre größten Schwellungen besitzen werden von Männchen bevorzugt angenähert und empfangen die höchsten Kopulationsfrequenzen. Der männliche Respons auf fortpflanzungsfähige Weibchen ist positiv korreliert mit der Größe und/oder Auffälligkeit der Schwellungsausprägung.
Während sexuell aktiver Phasen bilden adulte Japanmakaken zwei morphologisch attraktive, sekundäre Geschlechtsmerkmale aus: Anogenitale Schwellungen und intensive Rotfärbungen im Bereich des Gesichtes und Gesäßes. Während erwachsene Weibchen physiologisch ovulatorische Zyklen besitzen, haben pubertierende weitgehend anovulatorische. Dieser scheinbare Gegensatz zwischen intersexueller, morphologischer Attraktivität versus endokrinologischer Instabilität war Gegenstand der Untersuchungen.
Folgende Fragen wurden während der sexuell aktiven Phase der Individuen gestellt:
A) Existieren sozio-sexuelle Unterschiede zwischen adulten und pubertierenden Individuen bezüglich ihrer zwischengeschlechtlichen Kontakte?
B) Welche Unterschiede lassen sich in der Expression sekundärer Geschlechtsmerkmale zwischen adulten und pubertierenden Weibchen feststellen?
C) Welche Unterschiede lassen sich im Verlauf der Exkretionsraten von Geschlechtshormonen (Östrogene, Gestagene, Androgene) im Kot zwischen adulten und pubertierenden weiblichen Individuen dokumentieren.
III Kurzdarstellung der Ergebnisse:
Während des oben genannten Beobachtungszeitpunktes konnten Daten für zwei Diplomarbeiten und eine Dissertation aufgenommen werden!
1) Verhalten während der sexuell aktiven Zeit
Für adoleszente Weibchen zeigen die Ergebnisse einen positiven Zusammenhang der Variablen Schwellungsgröße, sozialer Rang mit freundlicher Kontaktaufnahme von Männchen. Sowohl bei den adulten als auch bei den pubertierenden Weibchen korrelieren sozio-positive Interaktionen signifikant positiv mit sexuellen Interaktionen. Das bedeutet, dass das männliche Interesse, in Form von sozio-positiven Annährungen, bei jenen pubertierenden Weibchen am höchsten ist, die große Schwellungen ausbilden, also die Möglichkeit besitzen sexuelle Attraktivität zu zeigen, obwohl sie anovulatorische Zyklen haben.
2) Bestimmung der Sexualhormone aus Kotproben
Gegenwärtig werden neue endokrinologische Methoden (Ziel der Dissertation), in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Möstl (Veterinärmedizinische Universität) erarbeitet, um Geschlechtshormone aus gesammelten Kotproben bestimmen zu können. Mit diesem Schritt sollte die physiologische Regulation der Zyklen bei Pubertierenden und Adulten gelingen und Bezüge zum Verhalten hergestellt werden.
IV Infrastruktur am Affenberg Landskron
1) Tiere
Am Affenberg Landskron leben auf einem Gebiet von 5 ha ca. 45 adulte und 10 subadulte Individuen der Art Macaca fuscata. Diese nicht-humane Primatenart lebt in multi-männchen Gesellschaften und weist ein Geschlechterverhältnis von nahezu 1:1 zwischen erwachsenen Individuen auf. Wie der deutsche populärwissenschaftliche Name ”Japanmakake” schon ausdrückt, ist das ursprüngliche Verbreitungsgebiet dieser Art Japan. Aufgrund der ökologischen und klimatischen Bedingungen ihres Ursprungslebensraums pflanzen sich die Tiere während des Herbstes und des Winters saisonal fort. Das heißt, Japanmakaken besitzen die adaptiven Voraussetzungen in klimatischen Zonen leben zu können, die durch Winter mit tiefen Temperaturen und Sommer mit gemäßigten Temperaturen charakterisiert sind.
Den Betreibern des Affenbergs ist es gelungen, eine Population dieser Art in unseren Breiten unter semi-freien Bedingungen erfolgreich anzusiedeln. Semi-frei bedeutet, dass sich die Tiere innerhalb des Areals, welches durch einen Maschengitterzaun abgegrenzt ist, frei bewegen können. Bis zum gegenwärtigen Stand ist die Sättigung des Habitats hinsichtlich der Populationsdichte nicht erreicht. Dieser Umstand erlaubt es, dass sich die Individuen frei Fortpflanzen können und bis dato keine Notwendigkeit zur Applikation von Kontrazeptiva besteht.
Es muss deutlich erwähnt werden, dass das Fehlen einer künstlich kontrollierten Geburtenrate bei Affenparks dieser Art nahezu einmalig in Europa ist. Dieser Umstand erlaubt verhaltensbiologische Untersuchungen mit dem Schwerpunkt Reproduktionsbiologie durchzuführen.
2) Parkbedingungen:
Während des Frühlings und Sommers steht der Park der Öffentlichkeit zur Verfügung und stellt so eine wichtige Bereicherung der Kärntner Tourismus-Infrastruktur dar. Unter der Leitung eines “Guides” werden die Besuchergruppen durch den Park geführt. Aus populärwissenschaftlicher und bildungspolitischer Sicht erfüllen die Betreiber eine sehr wichtige Rolle, da die “Guides” über ein profundes Wissen verfügen, und so die ökologischen und sozio-biologischen Grundlagen dieser Art den Besuchern vorbildlich vermitteln.
Da während des Herbstes und Winters Führungen von Besuchern lediglich auf Anfragen durchgeführt werden, steht der Park zu diesen Jahreszeiten für wissenschaftliche Arbeiten zur Verfügung, was für reproduktionsbiologische Fragestellungen ein nahezu idealer Zustand darstellt.
V Zukünftige Forschungsthemen
Aufgrund der für Verhaltens-Endokrinologische Themen optimalen Verhältnisse am Affenberg Landskron sind folgende Themen in Planung:
1) Reproduktive Strategien der Männchen
2) Endokrinologische Aspekte der Männchen während der Fortpflanzung mittels Hormonanalysen aus Kotproben
3) Vaterschaftsanalysen unter Verwendung nicht invasiver Methoden